Jazz in Hamburg - Modern & Free Jazz Live Konzerte


Hallo liebe Besucher, ab Mai 2019 wird FatJazz in den YOKOCLUB ziehen, alle Veranstaltungen finden dann vorerst dort satt. Grund sind die umfangreichen Bauarbeiten auf dem Dach des Uebel&Gefährlich. Ihr findet uns wie gewohnt jeden Mittwoch dann im

YOKOCLUB

Valentinskamp 47, 20354 Hamburg,
gegenüber der Laeiszhalle.


VERANSTALTUNGEN


Eva Klesse Quartett

Datum:08.01.2020
20:00

Eva Klesse Quartett
Miniatures
Ten Songs For Chamber Jazz Quartet

Evgeny Ring - Alt-Saxophon
Philip Frischkorn - Klavier
Stefan Schönegg - Kontrabass (Live)
Eva Klesse - Schlagzeug


„Musik, die auf einmal eine andere Welt preisgibt.“ (BR.de)
„Klesse hat zweifellos die perfekten Partner für ihre Philosophie gewonnen.“ (Rondo 12/2016)
Vor genau zwei Jahren veröffentlichte das Eva Klesse Quartett sein zweites Album „Obenland“ und
manifestierte damit seinen Status in der europäischen Jazzszene. Es folgten hervorragende
Reaktionen der Medien, Einladungen zu Festivals und internationale Konzertreisen, die die Band
bis nach Asien, Mittel- und Südamerika führten. Als „wild, romantisch, elegisch, packend“ beschrieb
ein Kritiker der JazzThing die Musik von „Obenland“, im Weser Kurier wurde die „bestechend
exakte Verzahnung“ der Band hervorgehoben. Ein Kollege der FAZ befand: „Vieles entwickelt sich
fließend, typische Grenzen zwischen Komposition und Improvisation lösen sich unmerklich auf.
Dank interessanter Melodien und Harmonien ist der Jazz des Eva Klesse Quartetts für
unterschiedliche Hörer attraktiv und doch weit vom Mainstream entfernt.“
Nun also das dritte Kapitel dieser künstlerischen Erfolgsgeschichte: „miniatures – ten songs for
chamber jazz quartet“. Sein Titel weist die Richtung, in die das ästhetische Pendel diesmal tendiert.
Während auf „Obenland“ viele recht lange Stücke mit großer Dynamik und weiten Bögen fesselten,
klingt das neue Album insgesamt inniger und klarer. Geblieben ist die spannende Interaktion
unterschiedlicher Spielhaltungen und Charaktere, die viel zur besonderen Ausstrahlung des
Quartetts beiträgt. Ebenso das aufmerksame gegenseitige Zuhören, sich gegenseitig Platz
einräumen. Und das feine Gespür dafür, intensive Geschichten ohne Worte zu erzählen.
„Die Musik ist kondensierter, Improvisationen sind stärker mit den Kompositionen verzahnt“,
beschreibt Pianist Philip Frischkorn die Entwicklung. Eva Klesse führt weiter aus: „Unsere Idee war
diesmal, konkretere Bilder zu malen. Darüber hinaus ging es darum, eine gewisse Sparsamkeit,
eine Ruhe auszuhalten.“ Man kann und darf das als Statement zu einer gesellschaftlichen
Entwicklung lesen, in der Lauthälse und ungebremstes Getöse die Oberhand zu erlangen scheinen.
Tatsächlich geht es der Band aber vor allem um eine künstlerische Aussage. Immerhin fällt es
Jazzmusikern auch nicht immer leicht, Sparsamkeit auszuhalten. Philip Frischkorn, von je her der
Klassik und klassischen Moderne zugeneigt, hat sich neue Parameter gesetzt, innerhalb derer er
sich bewegt. „Diesen Herbst habe ich damit experimentiert, vor dem Komponieren zunächst das
Tonmaterial festzulegen. Ich wollte innerhalb von strengen Grenzen nach Möglichkeiten für
improvisative Freiheit suchen. Als Improvisator reißt man die Grenzen nicht ein, sondern man
funktioniert sie zärtlich um.“ Kein Wunder, dass Frischkorns individuelle Skalen lebendiger und weit
weniger streng klingen als historische Reduktions-Konzepte, etwa serielle oder Zwölftonmusik.
Die persönliche Herangehensweise der Komponisten – neben Frischkorn haben Evgeny Ring und
Eva Klesse Stücke geschrieben – fällt recht unterschiedlich aus, was viel zur subtilen Spannung
des Albums beiträgt. Zudem entwickeln einige Stücke eine überraschende Dynamik. Etwa
Frischkorns anfangs fast impressionistisch anmutendes „M.'s Dreaming“, dessen verhaltene
Stimmung nach einer guten Weile jäh umschlägt. Rings „Orm“ verschmilzt schnelle Klavier-
Arpeggien, rhythmische Verwirbelungen und markante Saxophonphrasierungen zu einem
eindrucksvollen Strom, der das philosophische Konzept, von kreativer Energie durchströmt zu
werden, höchst lebendig macht. Klesses Stücke, die oft als Songs ohne Worte figurieren,
reflektieren konkrete Lebenssituationen.
„Back and forth“, das zwischen hektischem Vorwärtsdrang und Wartepositionen changiert,
entstand schon vor einiger Zeit, als Klesse zwischen New York und Deutschland pendelte. „Es
passt aber auch in die letzten eineinhalb Jahre unserer Bandgeschichte, als wir zum Teil
unglaubliche Strecken während unserer Tourneen zurücklegten, die uns einmal um die halbe Welt
führten“, erzählt die Schlagzeugerin. „Es geht einfach um die irren Aspekte des Reisens, also über
20 Stunden am Stück in Flugzeugen und an Flughäfen zu verbringen, 30 Grad Temperatur- und
Zeitunterschiede wegzustecken und dergleichen.“ Häufig durchweht Klesses Musik ein Hauch von
Melancholie, man höre nur die lyrische „Ballade auf zwei Beinen“, in der Robert Lucaciu mit feinem
Bogenstrich brilliert. Oder das latent mysteriöse, zu beängstigender Größe anwachsende „Gravity“,
von Klesse an einem Tag in New York geschrieben, „als sich die Schwerkraft besonders drückend
anfühlte.“ Dagegen ist „Still Enough“ von einer Geschichte des Schriftstellers Patrick Bruel
inspiriert. „Ich bin ein großer Fan von melancholischer französischer Musik“, erklärt Klesse. Ganz
anders klingt ihr „Irischer Reisefluch“. Er wendet sich keineswegs gegen die Bewohner der grünen
Insel, abstrahiert vielmehr einen populären Reisesegen der Iren gewitzt ins Gegenteil. Offensiv und
bissig, als entschiedene Ansage an jene wenigen Menschen, denen man keinen Segen wünscht.
Das nachdenkliche, fast etwas Requiem-ähnliche „And This Will Be“ greift einen Gedanken
Leonard Bernsteins auf, den er nach der Ermordung J. F. Kennedys formuliert hat: „This will be our
reply to violence: to make music more intensely, more beautifully, more devotedly than ever
before”. Dem möchte sich das Quartett anschließen, ohne die Idee plakativ vor sich her zu tragen.
„Wir sind politisch denkende Menschen, aber die Platte ist kein Manifest.“
Eingespielt wurde „Miniatures“ wieder im Kölner „Loft“, dessen Raum intime Atmosphäre
garantiert. Am ersten Abend ließ das sensible Quartett ein öffentliches Konzert mitschneiden, aus
dem „Gravity“ direkt auf die Platte wanderte; die übrigen Stücke des Albums wurden am folgenden
Tag nacheinander aufgenommen, zwar ohne Publikum, aber live gespielt. Es ist zu spüren, dass
die Band perfekter denn je aufeinander ein- und abgestimmt agiert.
Im Frühjahr 2018 wurde Eva Klesse als Professorin für Jazzschlagzeug an die Hochschule fur
Musik, Theater und Medien Hannover berufen, 2017 wurde die Bandleaderin mit dem Westfalen-
Jazz-Preis ausgezeichnet. Die Jury schrieb dazu, „Klesse beeindruckt mit einem dynamischen
Spiel, beherrscht feinste Nuancen und zarteste Töne. [...] Sie ist kreative Gestalterin mit
identifizierbarer Handschrift und kongeniale Partnerin zugleich."
Der charakteristische Sound des Eva Klesse Quartetts wirkt auf „miniatures“ detailschärfer und
transparenter denn je. Viele kammermusikalische Feinheiten, klare oder klug verästelte
Kompositionen und ausbalancierte Improvisationen lassen rund 50 Minuten schnell vergehen.
Konzeptionelle Gedanken und die daraus resultierende Fokussierung zeigen eine überzeugende
künstlerische Entwicklung. Die Ausdruckstiefe der Band führt zu einer musikalischen Erzählkunst,
die im internationalen Umfeld souverän bestehen kann. Mit solchen Musikerpersönlichkeiten kann
der Jazz zukünftig nicht nur langjährige Anhänger des Genres glücklich machen, sondern auch
neue Liebhaber finden.



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Jeden Mittwoch ab 19:30Uhr,

Konzertbeginn ab 20:00Uhr.


FATJAZZ urban exchange

im

Uebel&Gefährlich
Turmzimmer

Feldstraße 66, 20359 Hamburg

(rechter Eingang IV. Etage)


Eintritt 10,- / ermäßigt 6,-

* Sonderkonzerte 15,- / 10,-



Free Jazz ist einerseits ein historischer Begriff für freies Improvisationsspiel im Jazz seit den 1960er Jahren,

andererseits ist es ein bis heute ausstrahlendes Paradigma, das die Möglichkeit zur freien Entfaltung immer neuer Formen im Jazz und auch darüber hinaus bereithält.

Der Begriff selbst kann zu Missverständnissen führen, da eine Freiheit in Bezug auf die herkömmlichen Spielhaltungen des Jazz nur bedingt genutzt wird und es neben einer völligen Freiheit in der Form durchaus Improvisationen gibt, die auf Kompositionen und kompositionsähnlichen Absprachen über Strukturen beruhen.


Free jazz is an approach to jazz music that was first developed in the 1950s and 1960s as musicians attempted to alter, extend, or break down jazz convention, often by discarding fixed chord changes or tempos. Though the music of free jazz composers varied widely, a common feature was dissatisfaction with the limitations of bebop, hard bop, and modal jazz that had developed in the 1940s and 1950s. Often described as avant-garde, free jazz has also been described as an attempt to return jazz to its primitive, often religious, roots and emphasis on collective improvisation.